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Im Interview

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Zum 1. September 2020 hat Michael Knüppel die Geschäftsführung des Studentenwerks Hannover übernommen. Er bringt schon einiges an Studentenwerks-Erfahrung mit. Seit 2014 ist er als Hauptabteilungsleiter Finanzen, Bau und Informationstechnologie und Vertreter des Geschäftsführers im Studentenwerk Hannover tätig. Davor war Knüppel mehrere Jahre Prokurist und Kaufmännischer Leiter bei einem größeren Unternehmen in der Region Hannover.

Welche Pläne er für das Studentenwerk hat und wie er die Folgen der Corona-Krise einschätzt, erläutert er im Interview.

Herr Knüppel, als Sie sich im vergangenen Jahr für den Posten des Geschäftsführers beworben haben, hätten wir uns noch nicht vorstellen können, welche einschneidenden Auswirkungen die Corona-Pandemie auf unseren privaten und beruflichen Alltag haben wird. Jetzt stecken wir noch mitten in der »Corona-Krise« haben Sie Ihre Entscheidung für den Posten schon einmal bereut?

Nein, nicht eine Minute. Natürlich, die Ausgangslage für das Studentenwerk Hannover ist jetzt eine völlig andere als noch vor acht Monaten. Aber: Wir sind eine wirtschaftlich gesunde Organisation, haben hochmotivierte Mitarbeitende und Führungskräfte. Und wir haben schon jetzt sehr viele kreative und neue Wege gefunden, für unsere Studierenden trotz Kontaktbeschränkungen da zu sein. Bei allen Einschränkungen ist es ja auch spannend zu sehen, was auf einmal möglich ist. Daher bin ich auch sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam die Herausforderungen der Corona-Krise meistern werden.

Welche Herausforderungen muss das Studentenwerk denn aktuell meistern?

Ich finde, die wichtigste Herausforderung ist es, jetzt für unsere Studierenden da zu sein. Viele von ihnen sind in Not geraten, weil sie ihre Aushilfs- oder Messejobs wegen der Corona-Pandemie verloren haben. Lange war nicht klar, ob sie staatliche Hilfe erhalten. Unsere Sozialberaterinnen haben doppelt so viele Studierende beraten wie im Jahr zuvor. In vielen Fällen konnten sie unbürokratische Hilfe leisten. Nun sind wir froh, dass zumindest einem Teil unserer Studierenden durch die Überbrückungshilfe des Bundes geholfen werden kann. Ich bin sehr beeindruckt von unseren Mitarbeitenden, die ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatz zeigen, damit diese Hilfe schnell bei den Studierenden ankommt.

Und das gilt nicht nur für die Überbrückungshilfe. In allen Bereichen haben unsere Kolleginnen und Kollegen ein hohes Maß an Flexibilität und Einsatz gezeigt: Ob in den Mensen, wo nach und nach wieder ein eingeschränkter Betrieb aufgenommen wird, in der BAföG-Abteilung, in den Wohnhäusern vor Ort oder der Wohnhausverwaltung, als es darum ging, unsere kurzfristigen Leerstände im Frühjahr wieder »aufzufüllen«. Das war ja auch eine komplett neue Situation für uns. Das war das erste Mal überhaupt seit ich im Studentenwerk angefangen habe, dass es Leerstände in unseren Wohnhäusern gab. Und so »nebenbei« lief auch das ganz normale Alltagsgeschäft, Bau- oder Sanierungsarbeiten gingen weiter und mussten koordiniert werden, der Jahresabschluss stand an, alles unter zum Teil erschwerten Bedingungen – und wenn nichts Routine ist, ist das auf Dauer natürlich sehr fordernd. Aber das haben die Kolleginnen und Kollegen super hinbekommen.

Darüber hinaus ist, glaube ich, die größte Herausforderung, trotz Kontaktbeschränkungen den Kontakt zu unseren ratsuchenden Studierenden, Mieterinnen und Mietern und Gästen zu halten. Wir haben viele digitale Alternativen und auch kreative analoge Lösungen entwickelt, natürlich immer unter Einhaltung der geltenden Abstandsregeln, die uns das ermöglichen.

Was steht im Studentenwerk jetzt an?

Wir stellen uns den Herausforderungen der Corona-Krise und der Frage, welche Auswirkungen die digitale Lehre auf unsere Angebote vor allem im Bereich der Hochschulgastronomie und des studentischen Wohnens hat. Darüber hinaus entwickeln wir uns ständig weiter. Nach wie vor haben die Themen Schaffung und Sanierung von studentischem Wohnraum eine hohe Priorität. In der Gastronomie sollen Themen wie Nachhaltigkeit und alternative Ernährungsstile mehr Raum einnehmen. Wobei wir nicht vergessen dürfen, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Thema in der Hochschulgastronomie ist, sondern eins, dass in allen Bereichen des Studentenwerks fest verankert werden muss.

In allen Bereichen ist es unser Anliegen, unsere Dienstleistungen auf hohem Niveau zu halten. Der Service-Gedanke steht dabei natürlich immer an erster Stelle. Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass wir uns in einigen Bereichen noch besser und moderner aufstellen können und müssen. Ein Stichwort ist hier die Digitalisierung von Arbeitsprozessen und Dienstleistungen. Aber da sind wir jetzt auf einem guten Weg.

Welche konkreten Projekte gibt es bereits?

Zum Wintersemester werden wir den Neubau des Wohnheims »Haus am Berggarten« abschließen. Auf dem Gelände der Leibniz Universität sind 184 neue Wohnheimplätze entstanden. Außerdem wird das frisch sanierte Wohnheim »Heidjerhof« neu bezogen. Im kommenden Jahr werden wir dann im Frühjahr mit der Sanierung unseres Wohnheims in der Dorotheenstraße starten. Das ist eine besondere Herausforderung. Da das unsere größte Wohnanlage mit 500 Plätzen ist, kann die Sanierung dort nur schrittweise vonstattengehen. Darüber hinaus wollen wir auf dem Gelände unseres Wohnhauses in der Hufelandstraße etwa 50 zusätzliche Wohnheimplätze schaffen.

Im Bereich der Mensa haben wir vor, die Hauptmensa zu sanieren und die Produktionsküche auszulagern. Die Planungen dafür sind schon weit vorangeschritten. Jetzt ist die Frage, ob wir die nötige Förderung vom Land bekommen. Vermutlich können wir zunächst einmal die Produktionsküche auslagern. Das ist wichtig, damit wir die gastronomische Versorgung aller Hochschulstandorte weiter gewährleisten können. Die Sanierung der Hauptmensa selbst liegt vermutlich noch in weiterer Ferne.

Wenn Sie einen Wunsch für das kommende Jahr hätten, wie würde dieser lauten?

Ich würde mir wünschen, dass sich vor allem die Situation in der Hochschulgastronomie entspannt, wir die Kurzarbeit beenden können und wieder alle Mitarbeitenden mit an Bord haben, um gemeinsam die kommenden Veränderungen zu gestalten.

Und ich würde mir auch wünschen, dass wir die Krise mehr als Chance begreifen. Das ist natürlich nicht immer leicht, aber letztendlich ist an der Floskel »in jeder Krise steckt eine Chance« auch etwas Wahres dran. Wir haben in den vergangenen Monaten so viel unter extremen Ausnahmebedingungen geschafft. Daran sollten wir anknüpfen, um auch in Krisenzeiten für unsere Studierenden da zu sein.

Und, das war zwar nicht die Frage, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, an dieser Stelle noch einmal einen Dank an unsere Mitarbeitenden loszuwerden: Diese haben in den vergangenen Monaten, die bestimmt auch privat nicht immer einfach für sie waren, Außergewöhnliches geleistet. Vielen Dank dafür! Ich freue mich sehr auf die kommende gemeinsame Zeit im Studentenwerk.

 

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