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04.07.2018

Begegnen, autauschen und unterstützen

im Interview mit Kanj Hatoum und Linda Wilken

Linda Wilken und Kanj Hatoum | Camilla Ackermann

Studierende integrieren Studierende: In den 16 Wohnheimen des Studentenwerks Hannover unterstützen zehn studentische Tutorinnen und Tutoren aus neun Ländern ihre internationalen Kommilitoninnen und Kommilitonen bei der Integration. Sie helfen bei praktischen Problemen im Alltag und sorgen durch gemeinsame Veranstaltungen dafür, dass sich internationale und einheimische Studierende besser kennenlernen. Ein erfolgreiches Projekt, das im vergangenen Jahr seinen 20. Geburtstag gefeiert hat. KANJ HATOUM arbeitet für das Tutorenprogramm. Warum der Maschinenbau‐Informatik‐Student der Hochschule Hannover sich als Tutor engagiert, und was das Projekt so besonders macht, darüber berichten er und LINDA WILKEN, Abteilungsleiterin für Soziales und Internationales.

Herr Hatoum, wie lange wohnen Sie schon im Wohnhaus am Papehof, und wie sind Sie zum Tutorenprogramm gekommen?
HATOUM
Ich wohne schon fast zwei Jahre im Papehof. Letzten Oktober habe ich den Tutorenjob von meinem Vorgänger übernommen. Ich kannte den vorherigen Tutor aus dem Papehof. Ich habe fast jede Veranstaltung von ihm mitgemacht. Und wir hatten sehr viel Spaß. Er war sehr berühmt im Wohnhaus; überall kannten ihn die Leute, und es war toll zu sehen, wie er anderen Studierenden geholfen hat. Da hab’ ich gedacht: Den Job will ich auch mal haben. Als die Stelle frei wurde, habe ich mich beworben und den Job dann auch bekommen.

Wie sieht Ihr Tutorenjob in der Praxis aus?
HATOUM
Das Tutorenprogramm ist einfach genial. Man lernt viele Leute kennen und knüpft Kontakte mit Menschen, die man sonst nie im Leben treffen würde. Das ist sehr spannend, und anderen Studierenden zu helfen, macht sehr viel Spaß. Ein Bestandteil unseres Jobs sind die Ausflüge, die wir unternehmen und die Veranstaltungen, die wir organisieren. Am Anfang des Semesters begrüßen wir zum Beispiel immer die Studierenden, die neu eingezogen sind. Wir gehen zu ihnen hin, stellen uns und das Wohnheim vor und erklären viel zu Abläufen, wie sie sich verhalten sollen im Gemeinschaftsraum und im Wohnheim allgemein. Ausflüge machen wir in der Stadt und auch in ganz Niedersachsen. Wir wollten schon mal in den Harz, aber den Ausflug mussten wir absagen wegen eines Sturms. Da haben wir dann spontan einen Bowling‐Abend gemacht. Das war auch toll. Wir sind beim Kartfahren gewesen und beim Oktoberfest. Feste in der Stadt feiern wir sehr gerne mit.

Wieso gibt es überhaupt ein Tutorenprogramm, Frau Wilken?
WILKEN
Das Tutorenprogramm haben wir 1997 ins Leben gerufen, weil wir uns mehr für unsere internationalen Studierenden engagieren wollten. Auf die Idee sind wir gekommen, weil es 1996 eine erste Studie zu internationalen Studierenden in Deutschland und zu den Herausforderungen, die sie bei ihrem Studium zu meistern haben, gab. Die Untersuchung berichtete vor allem von finanziellen Sorgen, aber auch davon, dass es internationalen Studierenden schwer fällt, sich im Studium und in Deutschland zurechtzufinden, und dass sie nur schwer mit einheimischen Studierenden in Kontakt kommen, sich diesen aber wünschen. Wir haben dann da angesetzt, wo wir am meisten mit internationalen Studierenden zu tun haben: in unseren Wohnheimen. Mit unserem Tutorenprogramm sorgen wir dafür, dass die Studierenden besser ankommen und mehr mit ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen in Kontakt kommen.

Wie haben Sie das Tutorenprogramm konzipiert?
WILKEN
Die Idee haben wir im Studentenwerk entwickelt. Das Programm besteht im Wesentlichen aus zwei Bausteinen: individuelle Hilfestellung und Beratung, wo sie gebraucht wird, und durch Ausflüge und Veranstaltungen den Austausch zwischen internationalen und einheimischen Studierenden fördern. Interessant ist, dass sich an diesem Kern des Programms seit  Jahren nichts Wesentliches geändert hat. Wir haben unsere Ideen vor dem Praxistest dann noch mit einigen Partnerinnen und Partnern im Hochschulbereich, die bereits Erfahrungen mit internationalen Studierenden gesammelt hatten, diskutiert. Da gab es noch ein paar gute Impulse – und dann haben wir mit sechs deutschen und internationalen Tutorinnen und Tutoren einfach angefangen. Es war klar, dass das ein Pilotprojekt ist. Wir haben viel mit den Studierenden gemeinsam entwickelt. Ganz wichtig waren aber zwei Dinge: Wir haben unsere Tutorinnen und Tutoren als studentische Hilfskräfte eingestellt. Aus der Studie zu internationalen Studierenden wussten wir, dass sie häufig mit finanziellen Problemen zu tun haben. Deshalb wollten wir nicht erwarten, dass sich unsere Studierenden neben Studium und Job auch noch rein ehrenamtlich engagieren. Auch damit lagen wir richtig: Unsere Tutorinnen und Tutoren sind hoch engagiert und bleiben in der Regel bis zum Ende ihrer Studienzeit beim Programm dabei. Und uns war wichtig, dass wir die Studierenden mit dem Job nicht alleine lassen, sondern dass wir das Programm begleiten müssen. Die Tutorinnen und Tutoren treffen sich einmal im Monat mit unserer Sozialberaterin Dorothea Tschepke zum gemeinsamen Austausch und können sich auch sonst bei Fragen oder Problemen jederzeit an sie wenden.

Hilft Ihnen diese Unterstützung, Herr Hatoum?
HATOUM
Ja, sehr. Man kommt auch auf viele neue Ideen. Wir organisieren auch oft mit mehreren Tutorinnen und Tutoren Ausflüge, da ist es einfacher, andere Studierende dazu zu gewinnen, mitzumachen. Vor allem, weil die Kosten für unsere Ausflüge dann meistens weniger werden. Wir haben auch im Wohnheim viele gute Kontakte und arbeiten viel mit den Haussprecherinnen und Haussprechern zusammen. Wenn wir zum Beispiel einen Länderabend machen, teilen wir uns Aufgaben. Wir haben eine Bar im Gemeinschaftsraum, und wenn wir eine Veranstaltung vom Tutorenprogramm organisieren, macht unser Haussprecher die Bar, und wir können uns um andere Dinge kümmern. Das Essen zum Beispiel.

Mit welchen Problemen kommen Ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen, denn auf Sie zu?
HATOUM
Bisher habe ich noch keine großen Probleme gehabt. Die Bewohnerinnen und Bewohner kommen oft zu mir und fragen, wie das mit Jobs funktioniert. Die wollen oft noch einen zweiten Job ausüben und wissen nicht, ob das in Ordnung ist. Oder Leute, die allgemeine Fragen zum Hochschulleben haben. Einmal hatte ich einen Anruf mitten in der Nacht. Der Student sagte: Ich kann nicht schlafen, weil meine Mitbewohner so laut sind. Ich bin dann in die Wohnung gegangen; da haben dann zehn Leute in der Küche zusammengesessen, geredet und Musik gehört. Der Student wollte, dass ich ihm helfe und für Ruhe sorge. Eine eher untypische Aufgabe für einen Tutor. Es war nicht einfach, aber ich konnte die Leute überreden, die Musik leiser zu machen.

Wie hat sich das Tutorenprogramm in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?
WILKEN
Eigentlich lief das Programm von Anfang an ziemlich rund. Wir sind mit sechs Tutorinnen und Tutoren gestartet, haben aber relativ früh schon auf zehn aufgestockt und mit diesen alle unsere Wohnheime abgedeckt. Wir haben aber natürlich immer geguckt, was entwickelt sich, und welche Bedürfnisse werden von den Studierenden an die Tutorinnen und Tutoren herangetragen. ≫Sprache≪ war zum Beispiel ein häufiges Thema. Wir haben daraufhin einen Konversationskurs eingerichtet. Dort können sich Studierende ohne Scheu in der deutschen Sprache ausprobieren. Den Kurs bieten wir auch heute noch an. Und die Länderabende sind neu dazugekommen – allerdings jetzt auch schon seit zehn Jahren im Programm. Die Tutorinnen und Tutoren wünschten sich eine Veranstaltung, bei der sie die einheimischen und internationalen Studierenden noch  besser zusammenbringen können. Eine oder mehrere Personen aus dem Wohnheim stellen zusammen mit der Tutorin oder dem Tutor auf einer Veranstaltung im Wohnheim ihr Heimatland mit Musik, Essen und Hintergrundinformationen vor. Da kommen immer viele Leute aus den Wohnheimen aus ganz unterschiedlichen Ländern zusammen.

Was waren Ihre persönlichen Highlights des Programms in den vergangenen 20 Jahren?
WILKEN
Für mich sind das Highlight die Tutoren und Tutorinnen. Sie sind unheimlich engagiert, gehen offen auf die Leute zu und haben immer wieder neue Ideen. Damit steht und fällt der Erfolg des Programms letztendlich auch. Ein anderes Highlight war natürlich unsere Geburtstagsfeier zum 20. Jubiläum im vergangenen Jahr. Einmal innezuhalten, zurückzuschauen und das gemeinsam Erreichte zu feiern, war sehr schön.

HATOUM Wir waren bei einem interkulturellen Training vom Deutschen Studentenwerk. Das war sehr schön, auch andere kennenzulernen, die einen ähnlichen Job machen. Und da haben wir gemerkt, wie gut es uns geht. Wir werden für die Arbeit bezahlt und haben auch für unsere Veranstaltungen ein eigenes Budget. Die anderen waren alle ehrenamtlich. Wir können so viel machen und erreichen. Ich kann einfach sagen, der Job ist mein Highlight.

Wie wird sich das Tutorenprogramm in Zukunft entwickeln?
WILKEN
Ich hoffe darauf, dass wir weiterhin so engagierte Studentinnen und Studenten finden, die sich für das Tutorenprogramm begeistern und mitmachen. Und natürlich halten wir immer die Augen auf, ob sich etwas Neues entwickelt und ob neuer Bedarf entsteht. Wir haben zum Beispiel beim Wohnhausmusiktag wahrgenommen, dass das gemeinsame Musikmachen auch eine sehr schöne Form des Zusammenkommens ist, und wir überlegen, diesen Bereich, bei dem die Sprache kein Hindernis ist, auszuweiten.

Und welche Pläne haben Sie, Herr Hatoum?
HATOUM
Ich bleibe Tutor, bis ich mein Studium beendet habe. Ich würde mein Studium dafür auch verlängern (LACHT). Dieses Jahr haben wir noch einiges vor: Kanu fahren, Paintball spielen, Lasertag, ein marokkanischer Länderabend. Uns wird nicht langweilig.

20 Jahre Tutorenprogramm
Zum 20. Geburtstag des Tutorenprogramms luden wir im November 2017 zur Diskussion über die Integration von internationalen Studierenden im Allgemeinen und unser Tutorenprogramm im Besonderen. An der Diskussion nahmen teil: Isabelle Kappus (Leiterin des Referats Servicestelle Interkulturelle Kompetenz,  Deutsches Studentenwerk), Jan Sedelies (Moderator, HAZ), Thomas Hermann (Bürgermeister der Landeshauptstadt Hannover), Eberhard Hoffmann (Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover), Peyvand Ghaem Maghami (Tutor, Studentenwerk Hannover), und Nathalie Foury‐Feesche (ehemalige Tutorin). Rund 90 Gäste aus Hochschulen und Politik folgten unserer Einladung, diskutierten und feierten gemeinsam. Initiativen aus den Hochschulen, die sich für internationale Studierende engagieren, konnten sich im Rahmen der Veranstaltung präsentieren und im Anschluss mit den Gästen gemeinsam netzwerken.

Zum Anlass unseres Geburtstags feierte auch unser Film ≫20 Jahre Wohnheim‐Tutorenprogramm. Begegnen, austauschen, unterstützen!≪ Premiere, eine Produktion im Rahmen der Initiative Wissenschaft Hannover. Zu sehen auf: wissen.hannover.de/Einrichtungen/Studentenwerk‐Hannover.


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