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03.07.2018

BAföG - gar nicht mal so schwer

im Interview mit Bianca Schulz und Thorsten Wagner

Bianca Schulz und Thorsten Wagner | Camilla Ackermann

Studierende sollen unabhängig von der finanziellen Situation ihres Elternhauses ein Studium aufnehmen können. Dafür gibt es das BAföG – das Bundesausbildungsförderungsgesetz. Eigentlich ganz einfach und doch schwierig. Viele Studierende stellen in der Praxis erst gar keinen BAföG-Antrag. Sie finden die Anträge zu kompliziert und sind sich nicht sicher, ob sich der ganze Stress lohnt, wenn am Ende nichts dabei rumkommt. Ganz unrecht haben sie nicht – aber eben auch nicht ganz recht. Dass BAföG gar nicht mal so kompliziert sein kann und es sich auf jeden Fall lohnt, einen Antrag zu stellen, davon berichten BIANCA SCHULZ, Gartenbaustudentin an der Leibniz Universität Hannover, und THORSTEN WAGNER, Leiter der Abteilung Ausbildungsförderung des Studentenwerks Hannover.

Frau Schulz, warum haben Sie BAföG beantragt?
SCHULZ Ich hatte mich entschieden, mein Gartenbaustudium an der Leibniz Universität in Hannover zu machen. Damit war klar, dass ich nicht mehr Zuhause bei meinen Eltern in Berlin wohnen bleiben konnte, sondern mir eine eigene Bleibe in Hannover suchen musste. Da kommen natürlich mehr Kosten auf einen zu, als wenn man Zuhause bei den Eltern wohnt. Daher habe ich mich entschieden, BAföG zu beantragen. Es ist ja bekannt, dass es bei uns die Möglichkeit gibt, mit Hilfe von BAföG seinen Lebensunterhalt während des Studiums zu finanzieren. Ich habe mich dann im Internet über BAföG informiert. Da wurde auch dazu geraten, dass man es auf jeden Fall mit einem Antrag versuchen sollte. Also habe ich es versucht, und es hat geklappt.

Angst vor Schulden hatten Sie da keine?
SCHULZ
Nein, man muss ja nur die Hälfte zinsfrei zurückzahlen, und die andere Hälfte bekommt man geschenkt. Da habe ich eigentlich keine Sorge, dass ich das später nicht zurückzahlen kann.

WAGNER Ich merke, Sie sind schon gut informiert. Das ist so richtig, und das sind auch Konditionen, die Ihnen keine Bank geben würde. Fünf Jahre nach dem Ende des Studiums muss das Darlehen erst zurückgezahlt werden. Und es gibt die Möglichkeit, die Zahlungen in Raten zu begleichen. Die monatliche Rückzahlungsrate beträgt 105 Euro, die alle drei Monate mit 315 Euro fällig werden. Und das auch nur, wenn ich eine bestimmte Einkommensgrenze überschreite. Wenn ich darunter liege, habe ich noch die Möglichkeit, mit den Zahlungen auszusetzen. Da muss wirklich niemand Angst haben, sich zu verschulden. BAföG ist eine gute Investition in die Zukunft.

Frau Schulz, wie hat das dann praktisch mit dem Antragausfüllen funktioniert?
SCHULZ
Da ich in Berlin war, habe ich viel im Internet recherchiert. Ich bin dann auf den Seiten des Studentenwerks gelandet: Es war ja klar, dass ich einen Antrag da stellen muss, wo ich studiere. Ich habe den Antrag dann online ausgefüllt und später ausgedruckt. Ich habe ihn aber dann nicht per Post geschickt, das war mir zu unsicher. Ich habe den Antrag lieber persönlich beim BAföG‐Amt abgegeben. Das Ausfüllen selbst habe ich etappenweise erledigt. Schritt für Schritt habe ich den ganzen Antrag ausgefüllt. Das war aber eigentlich relativ einfach.

WAGNER Und Formblatt 3  – der Bogen, den Ihre Eltern ausfüllen mussten, das war auch kein Problem?

SCHULZ Nein, ich hab’ das Formular für meine Eltern ausgedruckt, und sie haben das dann ausgefüllt. Wenn man sich da ein bisschen reinfuchst, geht es eigentlich.

Sie können also nicht nachvollziehen, dass viele Studierende sich über das komplizierte und aufwändige Antragsprozedere beschweren?
SCHULZ
Nein, das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn man die Möglichkeit hat, Geld zu beantragen und zu bekommen, sollte man sich auch die Mühe machen, das auszuprobieren. Ich sage das meinen Kommilitoninnen und Kommilitonen auch immer. Sie sollen es versuchen. Aber die meisten denken, dass ihre Eltern zu viel verdienen und sie deswegen eh leer ausgehen würden.

WAGNER
Natürlich zählt das Einkommen der Eltern als Bemessungsgrundlage für den BAföG‐Satz, den man bekommt. Aber es gibt da keine festen Grenzen, bei denen wir sagen, bis dahin zahlen wir noch, und ab da gibt es kein Geld mehr. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle. Freibeträge, Geschwister und anderes. Ob man BAföG bekommt oder nicht, weiß man erst, wenn man es versucht hat.

SCHULZ Genau. Ich finde auch gut, dass ich jetzt erst einmal dank BAföG nicht zu jobben brauche. Da habe ich natürlich Glück, dass mein BAföG‐Satz hoch genug ist. Da kann ich mich erst einmal darauf konzentrieren, die Stadt kennenzulernen und mich im Studium zurechtzufinden. Das ist schon Luxus. Ab dem 3. Semester will ich dann aber auch nebenbei ein bisschen arbeiten.

WAGNER Das können Sie auch gerne tun. Bis 450 Euro im Monat sind anrechnungsfrei. Man kann diesen Jahresbetrag auch auf einmal verdienen. Wenn das Jahreseinkommen diese 450 Euro im Monat nicht überschreitet, bleibt es anrechnungsfrei. Das ist eine gute Alternative für alle Studierenden, die nebenbei während des Semesters keine Zeit haben, einen Nebenjob zu machen.

Frau Schulz ist dann wohl kein typischer Fall, Herr Wagner, oder?
WAGNER (LACHT)
Nein, Frau Schulz ist ein untypischer, aber sehr positiver Fall. Ein Großteil der BAföG‐Anträge wird bei uns unvollständig eingereicht. Oder es fehlen im Antrag Angaben, weil viele nicht wissen, was sie da machen sollen. Da kann ich nur den Tipp geben, sich in Ruhe hinzusetzen und den Antrag Punkt für Punkt durchzugehen und überall ein Kreuzchen zu machen. Natürlich wirkt es sehr kompliziert, das Verfahren ist auch sehr bürokratisch. Das bestreiten wir gar nicht. Aber es ist auch dem Umstand geschuldet, dass BAföG wirklich jedem zugutekommen soll, der es brauchen kann. Deswegen sind die Anträge so komplex und fragen so viele Informationen ab. Und ich muss sagen: Ein Antrag hat viele Formblätter, aber es ist einfacher sie auszufüllen, als es auf den ersten Blick scheint.

SCHULZ Auf jeden Fall. Und wenn man mal nicht weiter weiß, kann man ja auch beim Studentenwerk nachfragen.

WAGNER Natürlich! Wir haben zweimal in der Woche persönliche Sprechstunden, sind fünf Tage die Woche im ServiceCenter der Leibniz Universität für die Studierenden ansprechbar und haben auch viele Informationen und Tipps auf unseren Webseiten zusammengestellt. Wer sich für einen BAföG-Antrag entscheidet, wird von uns unterstützt. Die Studierenden können auch mit ihrem Antrag in unsere Sprechstunden kommen. Dann haben wir die Gelegenheit, gleich zu sehen, ob noch was fehlt. Das erspart später beim Bearbeiten längere Wartezeiten. Allen, die es schon einmal geschafft haben, einen Antrag auszufüllen, kann ich nur einen Tipp geben: Kopieren Sie sich den ausgefüllten Antrag und heben Sie ihn auf. Ihren Wiederholungsantrag können Sie dann viel leichter ausfüllen. Viele Angaben ändern sich ja nicht von Jahr zu Jahr.

Wie bringen Sie den Studierenden das BAföG näher, Herr Wagner?
WAGNER
Wir sind eigentlich ständig unterwegs, halten Vorträge, organisieren Info‐Veranstaltungen zur Studienfinanzierung, auch in Schulen. Zukünftige Studierende sind eine wichtige Zielgruppe. Wir haben Flyer und Broschüren, und wir informieren natürlich auch ganz viel online.

Sind die Informationen bei Ihnen angekommen, Frau Schulz?
SCHULZ
Ja, das sind sie. Gefehlt hat mir nichts; es waren alle Informationen da. Es gibt zu BAföG auch eine Menge an Informationen. Man muss sich nur mal damit beschäftigen.

Und wann bekommt Frau Schulz dann mehr Geld, Herr Wagner?
WAGNER
Das ist eine gute Frage. Es ist geplant, das BAföG auszubauen. Das gemeinsame Ziel von Union und SPD ist es, das BAföG zu verbessern. Die Politik will eine Trendumkehr schaffen, und bis 2021 soll die Zahl der Geförderten durch BAföG wieder deutlich zunehmen. Darüber hinaus soll auch die Stipendienkultur in Deutschland weitergefördert werden. Im Bereich Studienfinanzierung soll viel passieren. Das wird aber auch höchste Zeit. Die letzte BAföG‐Reform von 2016 war die erste seit sechs Jahren und hat im Wesentlichen die BAföG‐Sätze den gestiegenen Kosten angepasst. Von einer richtigen Erhöhung kann man da kaum sprechen. Derzeit erhalten 18 Prozent der Studierenden BAföG – das ist der tiefste Wert seit Anfang der 1990er Jahre. Im Idealfall hätten wir gerne eine regelmäßige Erhöhung der Bedarfssätze und mehr Flexibilität bei den Altersgrenzen sowie die Möglichkeit, Studierende in Teilzeitstudiengängen zu fördern. Wir wünschen uns einfach, dass das BAföG sich der Lebenswirklichkeit von Studierenden heute mehr anpasst.

Bleiben Sie dem BAföG trotzdem treu, Frau Schulz?
SCHULZ
Ja, ich werde auf jeden Fall das Angebot weiter nutzen und mich im September wieder darum kümmern, dass ich weiter BAföG bekomme.

WAGNER Das sollten Sie am besten etwas früher machen. Denken Sie schon einmal im Mai darüber nach und stellen Sie im Juni Ihren Wiederholungsantrag. Je eher Sie den stellen, desto sicherer bekommen Sie ohne Unterbrechung Ihr Geld. Zum Wintersemester kommt immer eine Antragswelle auf uns zu, da dann die Studienanfängerinnen und Studienanfänger alle einen Antrag stellen.

SCHULZ Das mach’ ich, vielen Dank. Danke für den Tipp.

BAföG-Reform 2016
Zum Wintersemester 2016 / 2017 trat, nach langer Durststrecke, die letzte BAföG‐Reform in Kraft. Dabei gab es sieben wichtige Verbesserungen beim BAföG: Sieben Prozent mehr BAföG, sieben Prozent höhere Einkommensfreibeträge, Erhöhung des Vermögensfreibetrags auf 7 500 Euro, einen höheren Kinderbetreuungszuschlag, eine bessere Förderung zwischen Bachelor und Master, von Auslandsaufenthalten und von Geflüchteten und Migrantinnen und Migranten. Entgegen den Erwartungen ist die Zahl der BAföG‐Empfängerinnen und ‐Empfänger allerdings nicht gestiegen, vielmehr ist ihre Zahl bundesweit – auf ein neues Rekordtief – gesunken.

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