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28.06.2018

Zusammenleben gemeinsam gestalten

im Interview mit Maryam Hematipour und Ingrid Kielhorn

Ingrid Kielhorn und Maryam Hematipour | Camilla Ackermann

HSV – diese Abkürzung steht beim Studentenwerk Hannover nicht für einen bekannten norddeutschen Fußballclub, sondern für Hausselbstverwaltung. Studierende engagieren sich in den Wohnhäusern für das Miteinander. Ob es darum geht, eine neue Koch‐ oder Fahrrad‐AG zu gründen, gemeinsame Veranstaltungen zu organisieren oder zwischen Studentenwerk und Mieterinnen und Mietern zu vermitteln, wenn gebaut wird: Die Aufgaben der Haussprecherinnen und Haussprecher sind vielfältig. MARYAM HEMATIPOUR, Masterstudentin der Windenergie an der Leibniz Universität, hat den Job im Wohnhaus Karl‐Wiechert‐Allee übernommen. Warum sie das gerne macht und wie sich das Zusammenleben im Wohnhaus gestalten lasst, davon berichtet sie im Gespräch mit INGRID KIELHORN, Abteilungsleiterin Studentisches Wohnen.

Frau Hematipour, seit wann sind Sie schon Haussprecherin in der Karl‐Wiechert‐Allee?
HEMATIPOUR Ich wohne schon seit zwei Jahren in der Karl‐Wiechert‐Allee, seit ich zum Studieren nach Deutschland gekommen bin. Den Job als Haussprecherin habe ich aber noch nicht so lang. Den habe ich im November 2017 übernommen.

Und wie sind Sie darauf gekommen, dass Sie das machen möchten?

HEMATIPOUR Das hat mit meinem ersten Silvesterabend hier in Deutschland zu tun. Ich war ganz alleine hier, alle meine Freunde waren weg. Ich wusste gar nicht, was ich machen soll. Dann habe ich von einer Party in unserem Wohnhaus gehört, einer Silvesterparty. Da bin ich hingegangen, und es hat viel Spaß gemacht. Später habe ich gehört, die HSV organisiert diese Partys und kümmert sich  auch um andere Sachen im Wohnhaus. Als der Posten dann frei war, habe ich gedacht: Warum nicht? Vielleicht kann ich auch was Gutes für andere Leute tun.

Was machen Sie denn genau als Haussprecherin?
HEMATIPOUR Es gibt verschiedene Aufgaben. Das Wichtigste meiner Meinung nach ist, den Kontakt mit dem Studentenwerk zu halten. Zum Beispiel, wenn etwas nicht gut läuft oder wir im Wohnhaus etwas verbessern möchten. Wir organisieren auch Partys. Dafür nutzen wir unseren Gemeinschaftsraum, für den wir als HSV auch verantwortlich sind. Oder wir versuchen, unser Zuhause, zum Beispiel eben den Gemeinschaftsraum oder andere gemeinsame Flächen, schöner zu machen. Und wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern gibt, müssen wir versuchen, zu vermitteln und möglichst eine Lösung für alle Beteiligten zu finden.

Und das machen Sie alles ganz allein?
HEMATIPOUR Im Moment arbeite ich noch alleine, aber für ein so großes Wohnhaus brauche ich unbedingt ein Team. Um das auf die Beine zu stellen, brauche ich aber noch ein bisschen Zeit, um die Leute erstmal kennenzulernen. Bis dahin unterstützen mich unser Tutor für internationale Studierende und unsere Hausleitung. Es gibt so viel zu tun; das kann ich auf Dauer nicht alleine.

Frau Kielhorn, was macht denn aus Ihrer Sicht eine gute HSV aus?
KIELHORN Also, man kann das Wort ≫gut≪ durch ≫aktiv≪ ersetzen, dann ist man eigentlich schon auf dem Punkt. Aktiv sind die Haussprecher und Haussprecherinnen, die Partys und Ausflüge, Kochabende und andere Dinge organisieren. Die eben Ideen haben und andere für diese und für ein Mitmachen begeistern können. Die aktiven HSVen bestehen in der Regel aus einem Team. Wir haben das im Wohnhaus Jägerstraße erlebt: Da gibt es ein großes Angebot an AGs, von einer Fahrrad‐AG über eine Kreativ‐AG bis hin zu einer Koch‐AG. Das kann ein einzelner Haussprecher oder eine einzelne Haussprecherin überhaupt nicht alles alleine organisieren; wie soll das zeitlich gehen? Je mehr Leute sich engagieren, umso mehr Ideen gibt es und auf umso mehr Schultern kann die Arbeit verteilt werden.

Und warum ist eine HSV so wichtig für ein Wohnhaus?
KIELHORN Die HSV selbst ist aus vielen Gründen wichtig. Frau Hematipour hat es ja schon angesprochen: Verschönerungen im Wohnhaus sind auch für uns ein ganz wichtiger Aspekt. Aber manchmal haben wir Ideen, die sich gar nicht mit den Vorstellungen der Bewohnerinnen und Bewohner decken. Unsere Mieterinnen und Mieter leben ja da, nicht wir. Durch den Austausch mit der HSV wissen wir auch, was gewünscht ist. Und natürlich ist auch ganz wichtig, dass wir durch die HSV einen direkten Draht zu den Bewohnerinnen und Bewohnern haben. In einem Wohnhaus wie der Karl‐Wiechert‐Allee, wo 300 Studierende wohnen, können wir ja nicht mit jedem individuell sprechen, um uns auch mal Meinungsbilder abzuholen oder bauliche Maßnahmen durchzusprechen. Da sind dann die Haussprecherinnen und Haussprecher, mit denen wir direkt sprechen können und die unsere Informationen weitergeben, ganz wichtige Kontaktpersonen für uns.

Wie können wir uns den Austausch zwischen Studentenwerk und HSV konkret vorstellen?
HEMATIPOUR Ich bin immer im Kontakt mit unserer Hausleitung. Da bekomme ich Unterstützung, wenn ich etwas ändern oder verbessern möchte. Meistens finden wir dann vor Ort auch eine Lösung zusammen.

KIELHORN
Ich komme erst dann ins Spiel, wenn es schwieriger wird und vor Ort keine Lösung gefunden wird. Das passiert in der Regel aber nicht allzu häufig. Und sofern keine Brandschutzregeln oder andere Vorschriften dazu führen, dass wir einen Wunsch der Bewohnerinnen und Bewohner nicht umsetzen können, finden wir auch immer gemeinsam eine Lösung. Wenn ein neuer Haussprecher oder eine neue Haussprecherin gewählt worden ist, lade ich sie oder ihn erst einmal zu mir ein oder vereinbare einen Termin vor Ort im Wohnhaus. Dass man sich persönlich kennenlernt, ist wichtig. Da kann man dann auch gut besprechen, was für Ideen die HSV hat oder auch mal, wo der Schuh im Wohnhaus drückt. Ein fester Bestandteil unseres Austausches ist aber auch die HSV‐Konferenz, auf der wir uns einmal im Jahr mit allen Haussprecherinnen und Haussprechern treffen. Da werden dann Themen besprochen, die für alle Haussprecherinnen und Haussprecher interessant sind. Da kommt meistens eine bunte Tüte an Themen auf den Tisch, die wir gemeinsam besprechen. Für die Haussprecherinnen und Haussprecher ist es auch wichtig, dass sie Kontakt zueinander haben. So können sie Ideen austauschen und sich gegenseitig Hilfestellungen geben. Schließlich muss keiner das Rad neu erfinden. So ist vor einigen Jahren eine WhatsApp‐Gruppe entstanden, in der sich Sprecherinnen und Sprecher gegenseitig schnell und unkompliziert austauschen. Und es gibt mittlerweile auch übergreifende Aktivitäten. Es gibt ein Fußballturnier der Wohnhäuser, oder man besucht sich gegenseitig auf Partys. Das ist ganz schön, dass auch vernetzt Aktivitäten stattfinden.

Frau Hematipour, das klingt ja jetzt alles sehr positiv. Gab es denn irgendwann mal eine Situation, wo Sie sich gedacht haben: ≫Warum habe ich das bloß gemacht?≪
HEMATIPOUR (LACHT) Glücklicherweise bis jetzt nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass solche Sachen passieren können. Ich habe das auch schon von anderen Haussprecherinnen und Haussprechern gehört. Es gibt verschiedene Persönlichkeiten, und manchmal gibt es Streit oder andere schwierige Situationen, wo man sich denkt: ≫Mann, warum mache ich das?≪ Das gehört aber dazu, wenn man mit Menschen arbeitet.

Die HSV gibt es ja schon, seit es das Studentenwerk gibt – hat sich im Laufe der Zeit etwas verändert?
KIELHORN Ich denke, die Arbeit an sich ist vielfältiger, multikultureller geworden. Fast 60 Prozent unserer Bewohnerinnen und Bewohner sind internationale Studierende. Früher waren das viel weniger. Damit ändert sich auch das Leben im Wohnhaus. Es gibt andere Bedürfnisse, andere Lebensgewohnheiten, die aufeinandertreffen und zwischen denen vermittelt werden muss. Das macht eine aktive HSV vor Ort auch so wichtig. Nur so können unsere Studierenden ihr Zusammenleben im Wohnhaus gemeinsam gestalten. Und wir wollen ja auch, dass sich unsere Bewohnerinnen und Bewohner bei uns wohlfühlen und miteinander – und nicht nur nebeneinanderher – leben.

Frau Hematipour, welche Ideen haben Sie für ihr Wohnhaus?
HEMATIPOUR Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, unseren Fitnessraum und unseren Gemeinschaftsraum zu verschönern – beide könnten einen neuen Farbanstrich gebrauchen. Außerdem sind die Geräte im Fitnessraum schon ein bisschen veraltet. Vielleicht kann man da auch noch was machen.

Und was war bis jetzt Ihr schönster Moment als Haussprecherin?
HEMATIPOUR Das war in der Weihnachtszeit. Weihnachten ist hier eine Familienzeit. Das haben wir bei uns im Wohnhaus natürlich nicht. Wir haben deswegen dieses Jahr allen Bewohnerinnen und Bewohnern Schokoladenweihnachtsmänner in die Postfächer gelegt. Ich war dann ganz zufällig bei den Postfächern, als ein paar Leute ihr Postfach aufgemacht haben. Als sie die Schokoweihnachtsmänner gesehen haben, hatten sie ein Lächeln im Gesicht. Dass man Leuten mit einer Kleinigkeit so eine Freude machen kann, war schön zu sehen – und bis jetzt mein schönster Moment. Ich bin ganz optimistisch, dass ich noch viele solche Momente haben werde.

Die Hausselbstverwaltung
Die HSV besteht aus einem Haussprecher/einer Haussprecherin und im Idealfall einem Team von engagierten Bewohnerinnen und Bewohnern, die das Miteinanderleben im Wohnhaus aktiv gestalten wollen. Der Haussprecher/die Haussprecherin wird im Wohnhaus gewählt und durch einfache Mehrheit bestimmt. Ihnen steht ein jährliches Budget zur Verfügung, mit denen Partys und andere Veranstaltungen sowie Verschönerungen im Wohnhaus finanziert werden können. In der HSV arbeiten alle ehrenamtlich. Haussprecherinnen und Haussprecher bekommen aber eine Aufwandsentschädigung und erhalten darüber hinaus die Möglichkeit, ihre Wohnzeit im Wohnhaus über die reguläre Dauer hinaus zu verlängern. Eine Anerkennung ihres Engagements.


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