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28.06.2017

»Der finanzielle Druck nimmt zu«

Eberhard Hoffmann, Geschäftsführer des Studentenwerks Hannover, über die wichtigsten Ergebnisse der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks

Portrait Eberhard Hoffmann | Marlene Obst

Für die Studie gaben mehr als 55.000 Studierende Auskunft über ihre wirtschaftliche und soziale Lage.

Herr Hoffmann, wie ist denn nun die Lage der Studierenden?

»Unterschiedlich. Es gibt nicht den einen Studenten oder die eine Studentin, das zeigt die Studie klar. Die Studierendenschaft von heute ist vielfältig, wie unsere Gesellschaft auch. Wir haben es mit unterschiedlichen Gruppen zu tun. Das zeigt sich exemplarisch bei den Einnahmen. Im Durchschnitt haben die Studierenden 918 Euro im Monat zur Verfügung, aber 28%, also mehr als ein Viertel, muss mit weniger als 700 Euro monatlich auskommen.

Die wirtschaftliche Lage der Studierenden lässt sich gut darstellen an der Studienfinanzierung. Die tragenden Säulen der Studienfinanzierung in Deutschland sind nach wie vor der Elternunterhalt, der Nebenjob und das BAföG. 86% der Studierenden werden von ihren Eltern unterstützt, mehr als zwei Drittel jobben neben dem Studium, ein Fünftel erhält BAföG. Stipendien und Studienkredite spielen nur eine untergeordnete Rolle.«

Was hat sich im Vergleich zur 20. Sozialerhebung von vor vier Jahren verändert?

»Mir fallen vor allem zwei Dinge auf. Erstens: Die Erwerbstätigenquote ist gegenüber 2012 um 6 Prozentpunkte gestiegen, von 62 auf 68 % der Studierenden. Das hat mich überrascht, dass noch mehr gejobbt wird neben dem Studium. Und zweitens hat der Kostendruck auf die Studierenden zugenommen, vor allem für die Miete.

Ich sehe auch einen Zusammenhang zum BAföG. Weil das BAföG nicht ausreicht, kompensieren das die Studierenden mit vermehrter Erwerbstätigkeit, und die Eltern müssen sie stärker unterstützen.«

Sind steigende Mieten in den Städten ein Problem für die Studierenden?

»Eindeutig. Die Miete bleibt der größte Ausgabeposten mit durchschnittlich 323 Euro im Monat. Auch wir in Hannover liegen mit 327 Euro im Monat leider schon über dem Durchschnitt. Deswegen brauchen wir dringend mehr staatlich geförderten Wohnraum für Studierende. Gerade Studierende aus weniger vermögenden Haushalten sind dringend auf diese Wohnheimplätze angewiesen. 41 % der Studierenden, die im Wohnheim leben, gehören zum unteren Einkommensquartil und verfügen lediglich über Einnahmen bis zu 700 Euro im Monat. Fast gleich viele haben am Ende des Monats überhaupt kein Geld mehr übrig. Das zeigt, wie wichtig für diese Studierenden die Leistungen der Studentenwerke sind!«

Die Sozialerhebung zeigt, dass Studierende verstärkt nebenher arbeiten; geht das nicht zulasten des Studiums?

»Davon müssen wir ausgehen. Es ist so: Formal sind 92 % aller Studierenden in einem Vollzeit-Präsenzstudium eingeschrieben – in einem formalen Teilzeit-Studium übrigens nur 2 %. Von den Vollzeit-Studierenden wiederum studieren aber nur 71% auch tatsächlich in Vollzeit und wenden mehr als 25 Stunden die Woche fürs Studium auf. 29 % von ihnen, also fast ein Drittel, studieren de facto in Teilzeit, weil sie weniger als 25 Stunden in der Woche fürs Studium aufwenden. Der Anteil der faktisch in Teilzeit Studierenden ist gegenüber der 20. Sozialerhebung von 2012 um 7 Prozentpunkte angestiegen. Ich sehe hier einen Zusammenhang zum finanziellen oder wirtschaftlichen Druck, den ich anfangs angesprochen habe. Die Studierenden jobben mehr, und das geht dann zeitlich zulasten des Studiums. Studieren ist und bleibt ein Vollzeit-Job: 33 Stunden im Durchschnitt die Woche fürs Studium, und die jobbenden Studierenden arbeiten durchschnittlich 9 Stunden die Woche, macht 42 Stunden für Studium und Nebenjob.«

Ihr Fazit der 21. Sozialerhebung?

»Der finanzielle Druck auf die Studierenden wächst, vor allem wegen steigender Mieten. Das Problem, bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist weiter ungelöst. Die Hauptlast der Studienfinanzierung tragen immer noch die Eltern, auch mit verstärkt unbaren Leistungen. Um die Studienfinanzierung zu sichern oder das noch immer nicht ausreichende BAföG zu kompensieren, jobben die Studierenden vermehrt. Längst nicht alle, die formal in einem Vollzeit-Studiengang sind, studieren auch tatsächlich in Vollzeit. Die Studierendenschaft spiegelt die gesellschaftliche Vielfalt wider; es gibt nicht den einen ›Durchschnittsstudenten‹. Die soziale Infrastruktur des Studiums muss dringend ausgebaut werden, vor allem die Wohnheim- und die Mensakapazitäten. Wir brauchen parallel zu den Bund-Länder- Hochschulpakten auch einen Bund-Länder-Hochschulsozialpakt.«

 

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